Kastration und Impfungen
gehören zur medizinischen Grundversorgung der Katze.
Kastration/Sterilisation
Begriffserklärungen: Als Kastration/Sterilisation bezeichnet
man die Unfruchtbarmachung der Tiere. Man hört oft, dass Weibchen
sterilisiert und Männchen kastriert werden, das ist aber nicht korrekt.
Auch nicht korrekt ist, dass "Sterilisation" nur das Durchtrennen der
Eileiter/Samenstränge bedeutet. Jegliche OP zur Unfruchtbarmachtung ist
eine Sterilisation. Die Kastration ist eine Möglichkeit der
Unfruchtbarmachung, nämlich das Entfernen der Keimdrüsen.
Geschlechtsreife der Katze
Katzen werden mit ca. 4-12 Monaten geschlechtsreif, Langhaarkatzen teils
auch später.
Weibliche Katzen werden dann zum ersten Mal rollig. Anzeichen dafür sind
gesteigerte Anhänglichkeit bis Aufdringlichkeit, häufiges schnurrendes
Miauen, Auf-dem-Boden-Wälzen (daher die Bezeichnung "rollig"), ständiges
Reiben des Kopfes an Menschen und Gegenständen und manchmal sogar
Harnmarkieren. Die Rolligkeit dauert mehrere Tage. Wird die Katze nicht
gedeckt, kann sie schon nach etwa 9 Tagen wieder rollig werden. Dies
wiederholt sich oder es kommt sogar zur Dauerrolligkeit, was ein
gesundheitliches Risiko darstellt.
Bei Katern beginnt mit Eintritt der Geschlechtsreife meist das
Harnmarkieren. Dies ist gut vom normalen Urinieren zu unterscheiden: der
Kater steht dabei aufrecht mit hochgerecktem, zitterndem Schwanz da und
spritzt Harn horizontal hinter sich. Der Harn unkastrierter Kater
enthält einen Duftstoff, der zu einem typischen Geruch nach
"Raubtierhaus" führt. Warum sollte man seine Katze kastrieren lassen?
2 Hauptgründe: Populationskontrolle und Gesundheit Beginnen wir mit
ein paar Zahlen: Man schätzt, dass es mehrere Hunderttausend
frei lebende Katzen in Deutschland gibt. Diese leben aber nicht in
glücklicher Freiheit als Wildtiere, sondern es sind verwilderte
Haustiere, die unter Parasiten und Krankheiten leiden. Außerdem stören
sie die heimische Fauna. Sie tragen z.B. durch Kreuzung zum Aussterben
der Europäischen Wildkatze bei. Nehmen wir an, eine verwilderte,
unkastrierte Hauskatze lebt 10 Jahre. Bei 12 Welpen pro Jahr sind das
über 80 Millionen Nachkommen! Zum Glück leben verwilderte Katzen nicht
so lange, sie werden durchschnittlich nur ca. 1-5 Jahre alt. In
Deutschland werden jedes Jahr ca. 250.000 streunende Katzen
abgeschossen. Dazu kommen noch unzählige Tiere im Straßenverkehr um.
Mehrere hunderttausend Katzen werden jedes Jahr ertränkt, erschlagen
oder sonstwie getötet Ca. 100.000 Katzen landen jedes Jahr in deutschen
Tierheimen.
Diese
Zahlen sollten eigentlich klarstellen, dass es nicht nötig ist, noch
mehr Hauskatzen zu produzieren. Weder müssen Kinder das Wunder der
Geburt erleben (lieber das Wunder des angewandten Tierschutzes!), noch
soll jede Katze einmal Junge gehabt haben. Und nein, die Welt hat auch
nicht auf die Nachkommen gerade dieser Hauskatze gewartet. Wenn die
Nachbarn, die angeblich auf jeden Fall eine Katze aus dem Wurf nehmen
werden, wirklich so wild auf Katzen sind, warum haben sie dann bisher
keine? Die Tierheime sind voll von den Ergebnissen solcher
unüberlegten Hobbyvermehrer. Österreich ist Deutschland in dieser Sache
einen Schritt voraus: dort steht seit dem 01.01.2005 im
Bundestierschutzgesetz: "Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie sind
von einem Tierarzt kastrieren zu lassen (...)". Von der
Populationskontrolle mal abgesehen, leben kastrierte Tiere auch länger
und gesünder. Unkastrierte Kater leben sehr viel gefährlicher als
kastrierte. Erstens müssen sie ständig ihr Revier verteidigen und haben
viele Kämpfe durchzustehen. Sie kommen dann während der Paarungszeit
fast täglich mit Wunden und Abszessen nach Hause. Die Gefahr, sich mit
Infektionskrankheiten wie FIV oder FeLV anzustecken steigt dadurch
natürlich extrem. Und natürlich nicht zu verachten ist die Gefahr im
Straßenverkehr. Unkastrierte Kater rennen im Liebesrausch schnell mal
über gefährliche Straßen. Sie legen oft auch weite Strecken zurück.
Entgegen landläufiger Meinung nimmt man den Katzen nicht den "Spaß".
Katzen haben keine bewusste Libido, sondern sind triebgesteuert. Nach
der Kastration vermissen sie nichts. Aber meine Katze kommt nie aus
der Wohnung, warum soll ich sie denn kastrieren lassen?
Unkastrierte Kater fangen ab der Geschlechtsreife an, in der Wohnung zu
markieren. Das stinkt erbärmlich - wesentlich schlimmer als normaler
Katzenurin. Unkastrierte Kätzinnen werden, wenn sie nicht befruchtet
werden, in immer kürzeren Abständen rollig und evtl. sogar dauerrollig.
Das kann zu gesundheitlichen Problemen (Eierstockzysten,
Gebärmutterentzündung) und Verhaltensstörungen führen. Ganz abgesehen
davon, dass unkastrierte Tiere meist mit allen Mitteln versuchen werden,
aus der Wohnung zu entkommen und allgemein aufgrund des Triebstaues
ziemlich unerträglich sind. Gibt es Alternativen zur Kastration?
Eigentlich nicht. Man kann durch eine Hormonspritze die Rolligkeit der
Kätzin zeitweise unterdrücken, dies ist aber nicht als Dauerlösung
gedacht, sondern eher für Zuchtkatzen vor der Ausstellung oder als
temporäre Lösung wenn eine OP gerade nicht möglich ist. Was wird
bei einer Kastration gemacht?
Bei einem Kater werden die Hoden durch einen kleinen Schnitt im
Hodensack entfernt. Der Hodensack bildet sich dann zurück, so dass er
später kaum noch zu sehen ist. Nach dem Entfernen der Haare des
Hodensackes und Reinigung des OP-Feldes wird der Hodensack durch einen
Schnitt eröffnet, die Hoden vorgelagert, abgebunden und dann abgetrennt.
Eine Naht der Haut ist in der Regel nicht erforderlich, so dass auch
keine Fäden gezogen werden müssen. Das ganze dauert ca. 20 Minuten.
Bei einer Katze werden die Eierstöcke sowie die Gebärmutter bis hin zur
Bifurcatio, also der Aufteilung in die beiden Uterushörner entfernt. Ein
kleiner Stumpf wird belassen, um eine minimale Östrogenproduktion zu
erhalten. Dies garantiert eine gute Durchsaftung des Gewebes; das heißt
unter anderem bleibt der Schließmuskel der Urethra geschmeidig, es kommt
zu keiner Inkontinenz. Diese OP wird mittels Bauchschnitt durchgeführt,
was erklärt, warum sie teurer ist als die Kastration eines Katers. Die
Kastration bei Kätzinnen hinterläßt in aller Regel eine sehr kleine
OP-Wunde von 2 - 3cm am Bauch oder in der Flanke, je nachdem welchen
Zugang der Operateur wählt. Die Wunde wird in drei Schichten genäht und
nach außen mit nicht-resorbierbaren Fäden verschlossen, die nach etwa 10
Tagen gezogen werden. In welchem Alter sollte eine Katze kastriert
werden? Allgemein werden Katzen hierzulande im Alter zwischen 5 und 7 Monaten
kastriert. Es ist nicht nötig, die Geschlechtsreife abzuwarten. Bei
Katern ist es auch eher kontraproduktiv, denn wer sich einmal das
Markieren angewöhnt hat, behält es unter Umständen auch später noch bei.
Kätzinnen sollten möglichst nicht gerade während der Rolligkeit operiert
werden. Gegen eine Kastration während der Rolligkeit spricht die
hormonell bedingte, erhöhte Blutungsneigung. Das ist vor allem bei
älteren und übergewichtigen Katzen ein Thema, weil es im Fettgewebe zu
diffusen Butungen kommen kann, die schlecht zu überblicken sind. Es gibt durchaus auch Argumente für eine deutlich frühere Kastration. Es
spricht vieles dafür, eine Katze bereits mit 3 oder 4 Monaten kastrieren
zu lassen, was in anderen Ländern schon jahrzehntelang ohne Probleme
praktiziert wird und sich auch bei uns immer mehr durchsetzt. Dass
manche Tierärzte es noch ablehnen, begründet sich in erster Linie durch
mangelnde OP-Erfahrungen mit Tieren dieses Alters, bei denen
insbesondere die Dosis des Narkosemittels genauestens dem Körpergewicht
angepasst werden muss. Wird sie von einem sachkundigen Tierarzt
durchgeführt, hat die sogenannte Frühkastration viele Vorteile. Mehr
Info hier:
http://www.cat-care.de/fruehkastration.pdf Gegenstimmen gegen die Frühkastration führen Argumente wie "kein
Katerkopf" und "Blasenprobleme" ins Feld. Aktuelle Studien zeigen aber,
dass sowohl das "katermäßige" Aussehen und die Blasengeschichte auf
Veranlagung zurückzuführen sind und durch den Kastrationszeitpunkt nicht
beeinflusst werden. Links hierzu:
http://www.winnfelinehealth.org/reports/early-neuter.html (E)
http://www.exoticbengals.com/spay.htm (E)
http://www.danesonline.com/earlyspayneuter.htm (E)
http://maxshouse.com/links_to_early_neutering_articles_.htm (E)
Wie läuft eine Kastration ab und was muss ich danach beachten? Man vereinbart einen Termin beim Tierarzt des Vertrauens. Dieser wird
Anweisungen geben, ab wann die Katze nichts mehr fressen und trinken
soll. Man gibt die nüchterne Katze in ihrer Transportbox morgens beim
Tierarzt ab und kann sie nachmittags wieder abholen. Dann ist sie schon
wieder aus der Narkose aufgewacht, aber vermutlich noch etwas benommen.
Die Kastration eines Katers kostet ca. 40-80 EUR, einer Kätzin ca.
60-120 EUR. Wieder zuhause sollte man die Katze in ein Zimmer sperren, wo sie keine
großen Sprünge machen kann. Freigänger bekommen einige Tage Hausarrest.
Nach 24 bis 48 Stunden sollte die Katze die Narkose überwunden haben.
Manche Kätzinnen haben nach der OP Probleme beim Kotabsatz (da das
Pressen Schmerz verursacht). Wenn man das feststellt, kann man ein
bißchen Milch geben, was den Kot weicher macht. Antibiotika werden bei manchen Operationen gegeben, um einer Infektion
vorzubeugen. Verlief die Kastration absolut komplikationslos und war der
Bauchschnitt nur klein, dann wird meistens darauf verzichtet. Auch bei
sehr aktiven Katzen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie die
Wunde nicht ganz in Ruhe lassen, gibt man oft Antibiotika, um die
Wundheilung nicht zu gefährden. Folgen Sie den Anweisungen des Tierarztes, was Füttern und Trinken nach
der OP angeht. Das Katzenklo sollte in den ersten paar Tagen nach der OP
besonders sauber gehalten werden, um eine evtl. Infektion
auszuschliessen. Achten Sie ein paar Tage lang verstärkt darauf, ob sich
die Katze wohl fühlt, eine Entzündung zu sehen ist, etc. Impfungen
Katzen brauchen in der 6. bis 8. Woche eine Impfung gegen Katzenseuche
und Katzenschnupfen, die in der 12. bis 14. Woche wiederholt wird. Damit
ist dann die Grundimmunisierung gegeben. Freilaufende Katzen sollten
gegen Tollwut und Leukose geimpft werden. Muss man die Impfungen wirklich
jedes Jahr aufs Neue wiederholen? Über diese Frage herrscht noch keine einheitliche Meinung - weder unter
den Experten, noch unter mehr oder weniger erfahrenen Haltern. Einigkeit herrscht darüber, dass ganz ohne Impfung auch reine
Wohnungstiger nicht auskommen. Das absolute Minimum stellen Katzenseuche
und Katzenschnupfen dar. Hier fungiert der Mensch als mechanischer
Überträger mit Kleidung und Schuhwerk. Das heißt, dass auch
ausschließlich in der Wohnung/im Haus gehaltene Tiere einem sehr starken
Risiko unterliegen und dringend vor einer Ansteckung geschützt werden
müssen, weil es sich um sehr gefährliche, meistens tödlich verlaufende
Erkrankungen handelt. Alle anderen Impfungen sind optional, d.h. es muss
abgewogen werden, welche Risiken das Tier eventuell betreffen könnten,
und welche nicht und inwieweit eine Impfung auch tatsächlich einen
Impfschutz bietet (die sogenannte "FIP"-Impfung ist z.B. in ihrer
Wirkung äußerst umstritten). Das Thema Impfintervalle, also Häufigkeit der Wiederholungsimpfungen,
wird sehr kontrovers diskutiert. In Deutschland halten die
Tierärzte und Impfstoffhersteller noch sehr an der jährlichen Impfpraxis
fest. Argumente für die regelmäßige Wiederholungsimpfung: Nach erfolgter Grundimmunisierung bieten die in Deutschland zugelassenen
Mittel, lt. Hersteller, Impfschutz für eine festgelegte Periode (1-3
Jahre).
- Um exakten Aufschluss über den Impfschutz des Einzeltiers zu bekommen,
müsste man durch Antikörpertiter die Immunantwort des Einzelorganismus
überprüfen. Da Lebewesen nicht wie Maschinen funktionieren, würden dabei
mit Sicherheit sehr unterschiedliche Ergebnisse herauskommen.
- Da der finanzielle Aufwand für derartige Untersuchungen weit größer ist
als die Impfung selbst, und gerade Auffrischimfungen i.d.R. ohne
jegliche Impfreaktion seitens des Patienten verlaufen, stellt sich die
Frage nach der Zweckmäßigkeit.
- Man sollte auch bedenken, dass jede vernünftige Katzenpension darauf
besteht, dass die Tiere, die man dort in Pflege gibt, gegen
Katzenschnupfen und Katzenseuche (je nach Pension auch gegen Leukose)
geimpft werden.
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